PV + Wärmepumpe 2026: Warum diese Kombination jetzt wirklich spart

Ab welcher PV-Größe sich die WP rechnet und was §14a EnWG damit zu tun hat

von Sascha Mattick


Die häufigste Frage 2026: „Soll ich PV und Wärmepumpe gleichzeitig installieren?" Die kurze Antwort: Ja, aber nur wenn die PV-Anlage groß genug dimensioniert ist. Die Kombination ist wirtschaftlich — aber nicht automatisch. Es kommt auf die richtigen Größenverhältnisse an.

Warum PV + WP zusammen Sinn machen

Eine Wärmepumpe wandelt Strom in Wärme — mit einem COP (Coefficient of Performance) von typisch 4 bis 5. Das bedeutet: 1 kWh Strom wird zu 4–5 kWh Wärme. Wenn dieser Strom aus der eigenen PV-Anlage kommt, heizt du praktisch kostenlos.

Der Effekt ist enorm:- Ohne PV: WP bezieht Strom aus dem Netz — 30–35 ct/kWh. Bei 20.000 kWh Heizwärme/Jahr und COP 4 = 5.000 kWh Strom × 32 ct = 1.600 €/Jahr Stromkosten für die WP allein.- Mit PV: WP nutzt eigenen Solarstrom — 0 ct/kWh (abgeschrieben). 5.000 kWh × 0 € = 0 €/Jahr. Ersparnis: 1.600 €/Jahr.

Aber: Die PV-Anlage muss groß genug sein, um die WP im Winter mit Strom zu versorgen — und genau da scheitern die meisten Planungen.

Die richtige Dimensionierung

HausgrößeHeizlastWP-Strombedarf/JahrEmpfohlene PVEmpfohlener Speicher
100 m² EFH8.000 kWh2.000 kWh6–8 kWp5–8 kWh
150 m² EFH12.000 kWh3.000 kWh8–12 kWp8–12 kWh
200 m² EFH16.000 kWh4.000 kWh12–15 kWp12–15 kWh
250 m²+20.000+ kWh5.000+ kWh15–20 kWp15–20 kWh

Die Faustformel: PV-Leistung (kWp) = Heizlast (kWh) / 1.200

Je größer die PV-Anlage, desto mehr Heiztage im Jahr kannst du mit eigenem Strom abdecken. Bei 12 kWp und einer 150-m²-Wärmepumpe sind das in Niedersachsen etwa 60–70 % der Heiztage. Die restlichen 30 % im Tiefwinter beziehst du aus dem Netz.

§14a EnWG: Was Netzbetreiber 2026 verlangen

Die Wärmepumpe ist eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach §14a EnWG. Das bedeutet: Der Netzbetreiber darf die WP bei Netzüberlastung temporär reduzieren oder abschalten. Das ist kein theoretisches Szenario — es ist gesetzliche Realität seit Januar 2024.

Was das für dich bedeutet

  1. Anmeldepflicht: Jede WP muss beim Netzbetreiber angemeldet werden — vor Inbetriebnahme.
  2. Steuerbarkeit: Der NB kann die WP fernsteuern. In der Praxis passiert das selten (max. 2 Stunden am Stück, max. 4 Stunden am Tag), aber er darf es.
  3. Modulwahl: Du wählst bei der Anmeldung ein Modul (Modul 1 = 4,2 kW Leistungsbegrenzung, Modul 2 = vollständige Abschaltung). Modul 1 ist die sanftere Variante und meine Standardempfehlung.
  4. iMSys / Steuerbox: Manche Netzbetreiber verlangen eine intelligente Messstelle (iMSys) oder eine Steuerbox. Avacon und SH Netz z. B. verlangen eine Steuerbox, die der NB bereitstellt.

Was die Netzbetreiber in unserer Region verlangen

NetzbetreiberRegionSteuerboxiMSysBesonderheit
AvaconBraunschweig, Salzgitter, WolfsburgJa (NB-gestellt)Ja§14a-Formular obligatorisch
enercityNeustadt, HannoverNeinJaNur Anforderung an Steuerung
SH NetzSchleswig-HolsteinJaJaStrikte Vorgaben, längere Bearbeitung
GPLPeine, IlsedePrüfenPrüfenRegionale Vorgaben variieren
LSWGifhorn, WolfsburgJaJaBei ≥25 kWp: RSE-Pflicht

Wichtig: Die Vorgaben ändern sich. Ich prüfe für jeden Kunden einzeln, was der zuständige Netzbetreiber aktuell verlangt.

Separater Zähler — ja oder nein?

Manche Netzbetreiber verlangen für die WP einen separaten Zähler. Das hat zwei Gründe:

  1. Netzentgeltregelung: Wenn die WP steuerbar ist, profitiert der Kunde von reduzierten Netzentgelten. Dafür braucht es einen separaten Zähler, der nur die WP erfasst.
  2. Messkonzept: Der NB will nachvollziehen können, wann und wie viel Strom die WP zieht.

In der Praxis: Bei Avacon ist ein separater WP-Zähler Standard. Bei enercity nicht zwingend. Das ist ein Planungspunkt, der vor der Installation geklärt sein muss — sonst kostet der nachträgliche Einbau Zeit und Geld.

Wirtschaftlichkeit: Konkret gerechnet

Beispiel: 150 m² EFH, Region Peine, 12.000 kWh Heizwärme, COP 4,0

PositionWert
Heizwärme/Jahr12.000 kWh
WP-Strombedarf/Jahr3.000 kWh
davon aus PV (Eigenverbrauch)2.100 kWh (70 %)
Rest aus Netz900 kWh
Ersparnis durch PV (2.100 kWh × 32 ct)672 €/Jahr
Netzstrom WP (900 kWh × 32 ct)288 €/Jahr
Einspeisung PV-Überschuss (Überschuss × 7,78 ct)ca. 200 €/Jahr
Gesamteinsparung/Jahr~1.180 €
Investition WP + PV (nach Förderung)ca. 25.000–30.000 €
Amortisation (großzügig gerechnet)ca. 15–20 Jahre

Die Förderung ändert die Rechnung deutlich:- KfW 261: Bis 150.000 € Kredit, 100 % Finanzierung- BAFA BEG WP: Bis 28.000 € Zuschuss für Erstwohnung- 0 % MwSt. auf PV: Bei ≤30 kWp automatisch

Mit BAFA-Zuschuss sinkt die Investition auf ca. 18.000–22.000 €, und die Amortisation auf ca. 10–12 Jahre.

Was ich in der Praxis empfehle

  1. PV groß genug dimensionieren — lieber 2 kWp mehr als zu knapp. Die WP braucht im Winter jeden Wattpeak.
  2. Speicher nicht vergessen — der Speicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in die Abend- und Nachtstunden, wenn die WP läuft.
  3. §14a frühzeitig klären — vor der Installation den Netzbetreiber kontaktieren, Formulare einreichen, Steuerbox bestellen.
  4. Separaten Zähler einplanen — Zählerschrank muss Platz für einen weiteren Zähler haben. Wenn nicht: Modernisierung des Zählerschranks.
  5. WP-Modell mit SG-Ready — die WP muss steuerbar sein. Achte auf SG-Ready-Zertifizierung und kompatibles Energiemanagement.

Fazit

PV + Wärmepumpe ist 2026 die wirtschaftlichste Kombination für Eigenheime — wenn die PV-Anlage richtig dimensioniert ist und die §14a-Anmeldung sauber läuft. Die Ersparnis ist real, die Förderung ist attraktiv, aber die Planung muss stimmen.

Ich plane jede Anlage einzeln: Verbrauchsprofil, Heizlast, Dachfläche, Netzbetreiber, Förderung. Erst dann entscheide ich, welche Komponenten passen.

Wenn Sie in der Region Peine, Ilsede, Salzgitter oder Wolfenbüttel planen — fragen Sie nach einer konkreten Wirtschaftlichkeitsrechnung für Ihr Haus.

Sascha MattickNeue Energiewende GmbHTel: +49 5174 9200 286 | info@neue-energiewende.de | www.neue-energiewende.com